Der SCHUSSKOPF

Der SCHUSSKOPF

 

Ein Schusskopfsystem besteht aus dem untereinander mit Schlaufen verbundenen Backing, einer Running - oder Shooting Line, dem eigentlichen Schusskopf und dem Vorfach + Tippet (oder dem Polyleader + Tippet oder dem Sinktip + Tippet).

 


 

 

Vorfach - AIRFLO Salmon Polyleader 14´ - AIRFLO Rage Compact - AIRFLO Ridge Running Line 30 lbs. 

 

 

Der Vorteil der Schusskopffischerei besteht insbesondere darin, dass man durch schnelles Aus- und Einschlaufen der Schussköpfe flexibler auf sich verändernde Bedingungen reagieren kann als derjenige, der jeweils 28 m Vollschnur von der Rolle ziehen muss und dann anfängt zu überlegen, wie er die Schnur am besten verstaut.

Wer beispielsweise an der Küste auf Meerforellen unterwegs ist, wird grundsätzlich mit der Einhandrute und mit schwimmenden und intermediate Schussköpfen in Längen um die 10 m fischen, bei aufkommendem Wind einen kürzeren Schusskopf von vielleicht lediglich 8,5 m bis 9 m Länge und bei einsetzender Windstille einen längeren Schusskopf von über 11 m wählen.
Fische ich bei anderer Gelegenheit mit meiner Einhandrute am Fluß auf Lachs oder Meerforelle, nehme ich zusätzlich sinkende und schnell sinkende Schussköpfe mit, will ich am Wochenende auf Hecht, kommen kurze Schussköpfe bis 8,50 m in floating, intermediate oder sinking zum Einsatz. Der jeweilige Wechsel von einem Schusskopf zum anderen dauert nicht viel länger als das Anknoten einer neuen Fliege (ich übertreibe ein bischen...).

Ein Nebeneffekt der Schusskopffischerei liegt somit - neben dem Zeitvorteil am Wasser - auch darin, dass ich mit einer Runningline und einer Auswahl an Schussköpfen das gesamte Spektrum der Einhand-Fischerei abdecken kann. Gleiches gilt natürlich auch für die Fischerei mit Zweihandruten...

Hinzu kommt, dass ich die Runningline frei wählen kann - ob nun monofil oder mit Coating, schwimmend oder intermediate, mit einer geflochtenen Standardseele, Power Core, Mono-Seele und und und - es ist alles möglich. 


Unabhängig davon, ob ich nun underhand oder overhead werfe, ob mir 9 m zu kurz oder 13 m zu lang sind: Im Ergebnis ist es einfach immer angenehmer, innerhalb von Sekunden von einem kurzen auf einen längeren zu einem ganz langen oder von einem schwimmenden zu einem sinkenden Schusskopf wechseln zu können, ohne daraus jeweils eine Staatsaffäre machen zu müssen. Und weil einem der Wechsel von einer Vollschnur zur anderen manchmal zu lästig ist, läßt man es dann halt.....


Und weil halt (fast) alles möglich ist, haben mir in den vergangenen Monaten schon mehrere Kunden (ganz im Vertrauen natürlich) gesagt, dass sie angesichts der Anzahl der Schussköpfe völlig den Überblick verloren hätten, sie bräuchten doch lediglich einen Schusskopf ... Um es vorwegzunehmen: Es gibt nicht den einen Schusskopf für alle Gelegenheiten – aber ich versuche gerne zu erklären, warum es in meinem Shop über 2500 verschiedene davon gibt...

 

 



Das Gewicht - und die Standards nach AFTMA / ASA / AFFTA



Jeder stolpert irgendwann über diese Abkürzungen: AFTMA steht für American Fishing Tackle Manufactering Association und stellt ein über 50 Jahre altes Klassifizierungssystem für Fliegenschnüre dar, welches ursprünglich der Vergleichbarkeit von DT-Fliegenschnüren untereinander dienen sollte. Die Hersteller von Fliegenschnüren haben sich hierbei darauf geeinigt, dass ihre Schnüre an einem bestimmten Messpunkt (9,14 m) ein bestimmtes Gewicht auf die Waage bringen. Das System passte auch gut in die damalige Zeit, eine DT war beispielsweise 40 m lang und wenn man davon 12 m - 13 m in der Luft hielt, passte es (meist) zur jeweiligen Ruteklasse. Diese Zeiten sind allerdings vorbei, DTs werden kaum noch produziert und noch weniger gefischt, ich schenk mir daher die Tabellen mit den Gewichtsangaben, da sie lediglich für Schnurproduzenten von Interesse sind.

Einfaches Beispiel aus dem Einhandbereich: Ich habe eine Rute der Klasse #8, das Wurfgewicht liegt bei 20 g, ich fische mit Polyleader (=2g), suche also einen SK oder eine WF mit 18 g, Keule oder SK sollten bei 10 m liegen. Ich finde eine Schnur, auf der Packung steht WF #8 Float. Was sagt mir das? Eigentlich nix. Das geht schon mal damit los, dass ich (meist) nicht weiß, ob die Schnur AFTMA-konkorm ist oder nicht:

Sollte sie AFTMA-konform sein, dann komm ich zu diesem diesem bunten Strauß:

Wenn die Keule 9,14 m lang sein sollte, würde sie 13,6 g wiegen.

Wenn die Keule 10 m lang sein sollte, würde sie 15,3 g wiegen.
Wenn die Keule 11 m lang sein sollte, würde sie 16,9 g wiegen.
Wenn die Keule 12 m lang sein sollte, würde sie 18,5 g wiegen.

Hätte, hätte, Fahrradkette.


Sollte sie hingegen nicht AFTMA-konform sein, käm ich zu ganz anderen Ergebnisse (z.B. AIRFLO Sniper #8 / 22 g / 8,50m)....

 


Alles furchtbar interessant, aber für die praktische Anwendung ziemlich sinnlos: Ich muss z.B. als Hechtfischer mit meiner Rute #8 einfach nur wissen, wie lang und wie schwer die Keule oder der Kopf ist und welches Taper anliegt, mehr nicht !!

 

 

AIRFLO - SNIPER PIKE INTERMEDIATE - 340 GRAINS

 

 


 

 

Und woher weiß ich nun, dass meine #8er Einhand, die ich überkopf werfen will, ein Wurfgewicht von 20 g braucht? Wissen tut das keiner, trotzdem folgende Empfehlung:

Rute: Einhand
Wurfstil: Überkopf
Gewicht: Gesamtgewicht (entweder SK+ Vorfach oder SK + Polyleader (= 2g))

#5: 14 g
#6: 16 g
#7: 18 g
#8: 20 g
#9: 22 g
#10: 24 g 
#11: 27 g
#12: 30 g

 

Die Angabe gelten für normale SK-Längen von 9 m - 10m, sie ändern sich aber, wenn ich die Länge (Luftwiderstand) verändere....

#8: 17 g bei 6 m
#8: 20 g bei 9 m 
#8: 23 g bei 12 m


Das Wurfgefühl ändert sich auch, wenn ich von einem (dicken) Floater auf einen (dünnen) Sinker wechsele, da sich dort der geringere Luftwiderstand bemerkbar macht:

#8: 20 g float
#8: 19 g S3
#8: 18 g - 19 g S7 


Damit ist dann für den Überkopf / Einhandbereich alles gesagt, oder? Leider nicht.... Werfen läßt sich das alles, es muß mir persönlich aber auch gefallen - und da sind die Geschmäcker ganz unterschiedlich: Der eine wirft lieber einen leichten Kopf (19 g) mit einer etwas höheren Geschwindigkeit, der andere einen etwas schwereren Kopf (20,5 g) mit einer niedrigeren Geschwindkeit - das Ergebnis (kinetische Energie = Masse x Geschwindigkeit) kann dann in beiden Fällen das gleiche sein, insofern gibt es da keinen objektiv richtigen oder falschen Kopf, auch wenn er subjektiv nicht passt....



Ganz spaßig wird es dann im 2Hand-Bereich, wo es neben dem (allerdings eher selten zu sehenden) Überkopfwurf (airborne = luftgestützt) auch noch den Wasserwurf (waterborne = wassergestützt) in seinen beiden Spielarten Touch & Go Cast (kurzer Wasserkontakt) und Sustained Anchor Cast (langer Wasserkontakt) gibt.
Heute aber nicht .... 

 

 

 


Die Seele

Jeder Schusskopf besteht aus einer Seele und dem Coating. Beide Komponenten haben (neben der Länge und dem Gewicht) einen nicht unerheblichen Einfluss darauf, ob der Schusskopf zu der jeweiligen Situation am Wasser passt oder nicht passt. Die Seele bestimmt die Tragkraft der Schnur, sie hat Einfluß darauf, ob sich die Schnur unter Zug dehnt und hat auch Einfluß auf ihre Steifheit, also Anfälligkeit für den Memory-Effekt bei bestimmten Temperaturen.

Die Seele besteht bei allen Schussköpfen entweder aus einem monofilen (selten multifilen) Nylon- oder einem geflochtenen Polyester-Material (entweder quergeflochtener Standard-Core oder längsgeflochtener Power-Core).

Nylon-Kerne (meist ein einzelner Strang wie bei einer monofilen Angelschnur) gibt es in unterschiedlichen Durchmessern, mit unterschiedlicher Tragkraft und in unterschiedlichen "Weichheitsgraden". Bei identischer Tragkraft ist der Kern-Durchmesser bei einer Schnur mit Mono-Kern geringer, jedoch deutlich steifer und neigt daher eher dazu, die einmal gewonnene Form beizubehalten, was man dann merkt, wenn man die Schnur von der Rolle zieht (Vor dem Fischen ist Strecken angesagt!).
Aufgrund dieser Nachteile macht der Einsatz von Mono-Kernen lediglich bei durchsichtigen Clear Floater/Intermediates und bei Sinkschnüren Sinn. Hintergrund für den Einsatz bei Sinkschnüren ist, dass die Schnüre bei der Verwendung dieser Kerne eine höhere Dichte auf´s Papier bringen (ein Geflecht enthält Lufteinschlüsse), dadurch dünner ausfallen und im Ergebnis schneller sinken können. Ein Vorteil der geflochtenen Seele ist demgegenüber die im Vergleich geringere Dehnung, was die Bisserkennung erleichtert. Der längsgeflochtene Power-Core hat dann wiederum bei den geflochtenen Seelen die geringere Dehnung.

 

 

 

2x Power Core, 1x Braided Core (rechts)

 

 

 

Power Core ist längsgeflochten ...

 

 

... und hat dadurch weniger Dehnung. Im übrigen läßt er sich ohne Aufwand spleissen !



Das Coating

Das Coating bestimmt nicht nur, ob die Schnur sinkt oder schwimmt, es hat ebenfalls Einfluss auf die Dehnung, die Glätte der Oberfläche, die Steifheit und Geschmeidigkeit - und vor allem auf das Taper / Profil des Schusskopfes.

Das Coating besteht immer aus einem Kunststoff, wobei es sich hierbei entweder um Themoplaste (PVC) oder Elastomere (Polyurethan) handelt. Es gibt die Schnüre mit einem (beabsichtigt) härteren Coating, was bei der Fischerei in tropischen Gewässern erforderlich ist und extrem weiche Schnüre für die Winterfischerei in heimischen Gefilden. Beide Varianten gibt es aus PVC und PU, so dass man nicht sagen kann, PVC oder PU wär härter oder weicher, es kommt halt darauf an. Unabhängig davon habe ich allerdings den Eindruck, dass Schnüre aus PVC altern, weil das Coating flüchtige Weichmacher enthält.

Die Schwimmfähigkeit einer Schnur wird durch die Zugabe von sogenannten micro-spheres oder micro-balloons erreicht, je größer der Anteil, desto höher schwimmt die Schnur. Allerdings führt dieses auch dazu, dass die Schnur gerade an Stellen mit höherer Belastung leichter spröde wird, wie man es bei WF-Schnüren am Übergang von der Runningline zum Belly beobachten kann.

Die jeweilige Sinkrate einer Sinkschnur wird demgegenüber durch die unterschiedlich Zugabe von (meist) Tungsten-Pulver erreicht.

 

 


Das Taper

Das Profil einer Schnur ergibt sich dadurch, dass - über die Länge der Schnur betrachtet - im Fertigungsprozess an unterschiedlichen Stellen der durchlaufenden Seele unterschiedliche Mengen des Coatings aufgetragen werden (Düse auf: Viel Coating; Düse zu: Wenig Coating).

Da dieses sich relativ einfach programmieren läßt, jedenfalls keinen großen Aufwand darstellt, gibt es auch sehr viele unterschiedliche Profile, die dann auch noch bei jedem "Hersteller" (oder den unterschiedlichen Labels) anders heißen.
Im Ergebnis führt dieses dazu, dass gerade der Anfänger bei Bass-Taper, Nymph-Taper, Pike-Taper, Steelhead-Taper, Stillwater-Taper und und und völlig den Überblick verliert.

Um einen Schusskopf zu klassifizieren, muss man eigentlich nur wissen, ob die folgenden Komponenten vorhanden sind - und gegebenenfalls in welcher Ausprägung:

* Tip (falls vorhanden: gleichmäßig dünne Spitze)
* Fronttaper (falls vorhanden: dicker werdender Teil nach der Spitze)
* Belly (gleichmäßig dicker Teil nach dem Fronttaper, falls Fronttaper vorhanden)
* Reartaper (falls vorhanden: dünner werdender Teil nach dem Belly)

Unabhängig von der jeweiligen Längenverteilung (langes oder kurzes Fronttaper etc.) kann ein Schusskopf im Profil demnach so aussehen:

* Tip - Fronttaper - Belly - Reartaper
* Fronttaper - Belly - Reartaper 
* Tip - Fronttaper - Belly
* Fronttaper - Belly 
* Belly - Reartaper
* Belly (level line)
* Fronttaper (triangle Taper)




Die unterschiedlichen Taper ziehen unterschiedliche Masseverteilungen nach sich:

Wenn ich 3 von Gewicht und Länge her identische, aber unterschiedlich getaperte Schussköpfe nach dem Kriterium "Masseschwerpunkt möglichst weit hinten / nahe an der Rutenspitze" sortiere (underhand-cast), sieht die Reihenfolge so aus:

Platz 1: Langes Fronttaper
Platz 2: Kurzes Fronttaper
Platz 3: Kein Fronttaper

Sortier ich die Köpfe nach dem Kriterium "Masseschwerpunkt möglichst weit vorn" (Hechtfischen mit großen Streamern), sieht die Reihenfolge so aus:

Platz 1: Kein Fronttaper
Platz 2: Kurzes Fronttaper
Platz 3: Langes Fronttaper

Alles klar? Nein? Nun, da hilft nur noch Physik...


 


Die kinetische Energie

Entscheidend sind die Faktoren Masse und Geschwindigkeit: Ein Körper (hier der Schusskopf) enthält bei der Masse x und der Geschwindigkeit Y eine bestimmte kinetische Energie, die für seinen Vortrieb sorgt (gebremst durch die Runningline, den Luftwiderstand und die Erdanziehung, die wir hier zunächst außer acht lassen).


1. Beschleunige ich also einen über seine gesamte Länge gleichmäßig dicken und gleichmäßig schweren Schusskopf  durch den Vorschwung, enthält jeder Zentimeter der Schnur die selbe kinetische Energie. Ist die Energie am Anfang des Kopfes (an der Rutenspitze) hoch, ist sie es auch am anderen Ende (zum Vorfach / Sinktip), d.h. auch schwere Fliegen etc. lassen sich abrollen.


 


Fliege links, Runningline rechts

 

 



2. Beschleunige ich einen über seine gesamte Länge gleichmäßig dünner und damit gleichmäßig leichter werdenden Schusskopf durch den Vorschwung, nimmt die in jedem Zentimeter der Schnur gespeicherte kinetische Energie zur Spitze hin kontinuierlich ab. Dieser Schusskopf "verliert" Energie in Richtung Fliege, die Geschwindigkeit sinkt und führt theoretisch zu einem sanfteren Aufwässern - und in Relation zu den vorgenannten Köpfen zu Einschränkungen z.B. bei der Streamergröße. Aber auch nur in Relation, es hängt auch da vom absoluten Gewicht ab!!

 

 


Fliege links, Runningline rechts

 

 




3. Beschleunige ich einen über seine gesamte Länge gleichmäßig dicker und damit gleichmäßig schwerer werdenden Schusskopf durch den Vorschwung, nimmt die in jedem Zentimeter der Schnur gespeicherte kinetische Energie zur Spitze hin kontinuierlich zu. Diese Schnur lässt sich allerdings kaum kontrollieren, sie macht, zumindest bei mir und anderen normalsterblichen Werfern, was sie will - und ist daher auch nicht im Programm irgendeines Herstellers....

 

 


Fliege links, Runningline rechts

 

 

 

Der Effekt tritt übrigens auch auf, wenn man einem dünn auslaufenen Floater z.B. ein Sink 7 Polyleader vorschaltet:
Das Gewicht des Polyleaders pro Zentimeter ist wesentlich höher als das Gewicht des Schusskopfes pro Zentimeter an seinem dünn auslaufenden Ende - und dadurch schlackert das beim Wurf so schön unkontrolliert....




Das waren jetzt wieder theoretische Betrachtungen, ich kann natürlich das Abrollverhalten der Schnur nach dem Schießenlassen noch beeinflussen, es bremsen oder beschleunigen - und eine wichtige Rolle kommt natürlich auch noch dem Vorfach zu - aber das alles würde mir jetzt den theoretischen Ansatz kaputt machen, mit dem ich die grundsätzlichen Unterschiede im Taper erklären will.

Also zurück zur Theorie und den drei oben genannten Ausführungen: Nun könnte man denken, dass sich eine sich über die ganze Länge verjüngende Schnur von 18 g doch des Pudels Kern sein müsste, eine Schnur, mit der man sowohl 18er Trockenfliegen und 4/0er Streamer sanft präsentieren kann. Die Antwort lautet: In der Theorie ja, in der Praxis gibt´s dann aber den unterschiedlich großen Luftwiderstand und das unterschiedlich hohe Gewicht der beiden Fliegen, was dazu führt, das mir bei einem großen Streamer der Wurf einbricht (weil die gespeicherte kinetische Energie nicht ausreicht) und die 18er Trockenfliege aufs Wasser knallt (weil zu viel Energie vorhanden ist).


Entscheidende Bedeutung kommt daher also nicht nur dem Taper, sondern auch der Länge und dem Gewicht / der Masse des Schusskopfes zu. 
Mit einem dick auslaufenden Kopf kann man alles werfen - mit einem dünn auslaufenden Kopf scheitert man spätestens bei schweren Polyleadern.


Fisch ich mit gezogenen Vorfächern: Dünn auslaufend!
Fisch ich mit mittel-schweren Polyleadern: Nicht zu dünn auslaufend!
Fisch ich mit schweren Polyleadern oder leichten Sinktips: Dicker auslaufend!
Fisch ich mit Sinktips ab T10: Bei den Skagit-Köpfen suchen!!
 
 
 
Bei AIRFLO-Köpfen von 30 g sieht das beispielsweise so aus:

Scandi Compact:        10 m / 6 m Fronttaper / 1,27 mm Tip
Rage XT450:          9,4 m / 7 m Fronttaper / 1,51 mm
Rage Compact:      9,1 m / 6 m Fronttaper / 1,58 mm
Rage XT500:         9,2 m / 7 m Fronttaper / 1,58 mm
Rage B450:      8,9 m / 6 m Fronttaper / 1,65 mm
Rage B500:      8,3 m / 6 m Fronttaper / 1,70 mm
 
 
 
 
 
 


Die SINKRATE

Zur Sinkrate muss man relativ wenig Worte verlieren:

* Wenn ich einen schwimmenden Kopf suche, nehme ich einen Floater.
* Will ich im Oberflächenfilm fischen, bringt es der Hover / Low Floater
* Soll der Schusskopf gaaanz langsam einsinken, ist der Slow Intermediate die erste Wahl
* Wenn ich in einem tiefen, schnellfließenden Gewässer eine realistische Chance haben will, den Grund zu erreichen, bin ich auf einen Schusskopf mit der höchsten Sinkrate angewiesen (Sinkrate S7).
* Hänge ich hingegen immer wieder am Grund fest, nehme ich einen langsamer absinkenden Kopf mit S3 oder S5.

Daneben und dazwischen gibt es dann die ganze Bandbreite, es hängt halt von den äußeren Gegebenheiten ab, welche Sinkrate die passende ist, um zum Fisch zu kommen.

An dieser Stelle vielleicht der Hinweis, dass die Sinkrate nichts (!) mit dem Gewicht zu tun hat! Ein Floater schwimmt immer - unabhängig davon, ob er 20 g oder 40 g auf die Waage bringt... Entscheidend für das Sinkverhalten ist nicht das Gewicht oder die Masse, sondern eine andere physikalische Größe, nämlich das spezifische Gewicht ("Dichte") einer Schnur. Wer es wissen will: Wasser hat ein spezifisches Gewicht von 1, alles was "schwerer" ist, sinkt. Da dieses aber im Ergebnis keinen wirklich interessiert, sind die Schnüre in Sinkraten klassifiziert, wobei S 7 mit einer Geschwindigkeit von ziemlich genau 7 inch per second (7ips = 17,8 cm/sec) abtaucht. Die Werte gelten für Süßwasser und das Brackwasser der Ostsee, in der Nordsee sieht das dann schon wieder anders aus...


SINKRATE 0: FLOATING 0 ips - 0 cm/sec
SINKRATE 0,5: SLOW GLASS INTERMEDIATE 0,5 ips - 1,3 cm/sec
SINKRATE 1:MID GLASS INTERMEDIATE 1 ips - 2,5 cm/sec
SINKRATE 1,5:  INTERMEDIATE 1,5 ips - 3,8 cm/sec
SINKRATE 2,5:  SLOW SINKING 2,5 ips - 6,3 cm/sec
SINKRATE 3:  SINKING 3 ips - 7,6 cm/sec
SINKRATE 4:  FAST SINKING 4 ips - 10,1 cm/sec
SINKRATE 5:  SUPER FAST SINKING 5 ips - 12,7 cm/sec
SINKRATE 6: EXTRA SUPER FAST SINKING 6 ips - 15,2 cm/sec
SINKRATE 7  ULTRA FAST SINKING 7 ips - 17,8 cm/sec


Erwähnenswert sind natürlich auch die Schussköpfe mit unterschiedlichen Sinkraten - sehr gut, aber halt auch nicht billig!

Und noch was: Gelegentlich taucht die Frage auf, ob man denn, weil es tief runter gehen soll, lieber statt der 200 grains - Sinkschnur die 300er oder lieber die 400er nehmen soll.
Grains ist allerdings eine Gewichtseinheit - und wenn 200 gr zu der bestimmten Rute XY passen, hat man mit 400 gr den nächsten Fehlkauf getätigt....

 

 

 

 

 

Leader, Polyleader und Tips

Es soll ja bereits Leute gegeben haben, die ihre Fliege direkt an die Fliegenschnur gebunden haben - und auch noch erfolgreich waren. Und ebenso gibt es Leute, die vor ihren schwimmenden Skagit Kopf lediglich ein kurzes Stück Monofil von 0,30 mm schalten - und damit ebenfalls glücklich sind. Ich hab nix gegen das Glück anderer Menschen, aber wenn ich mir das erste Bild so anschaue....

 

 
 
 
 
 
 
AIRFLO - SKAGIT COMPACT FLOAT - 810 GRAINS
 

würde ich wohl eher etwas schwereres vorschalten...

Aber: 
Natürlich kann ich auch mit der ersten Kombination werfen - es macht nur wenig Sinn.

 

 

 

 

 

 

 


Vorfach / Leader / Tapered Leader

Ein monofiles Vorfach besteht entweder aus Fluorcarbon oder Polyethylen (“Nylon”), wobei sich da auch Glaubenskriege abspielen. Ich verwende ausschließlich FC, weil das Zeug deutlich abriebfester ist und ich mir keinen Kopf über das Produktionsdatum der Spule machen muss, weil es kaum altert. Aufgrund der höheren Dichte wirft es sich zudem besser und sinkt etwas schneller (was allerdings bei einer Hitch dann nicht so von Vorteil wär).

 

Bild

 

Ein “normales” getapertes FC-Vorfach für die Meerforellen-Fischerei von 9´ (28/55) wiegt ca. 0,6 g, bei einem getaperterten Vorfach von 15´ für die Lachsfischerei (38/74) zeigt die Waage ca. 1,7 g an.

An das Vorfach selbst schließt sich dann das Tippet an, welches regelmäßig gewechselt werden sollte, weil es irgendwann zu kurz ist und/oder durch den Einsatz zumindest nicht besser geworden ist. Um eine “harmonische” Kraftübertragung zu erreichen, sollte das dicke Ende (engl.: Butt) im Durchmesser ca. 80% der Stärke der SK-Spitze aufweisen (was i.ü. gar nicht so einfach ist !). Die beste Verbindung ist der angelegte Nagelknoten, wenn der SK zudem einen Loop hat, kann da auch nix niemals abrutschen.

Neben den “normalen” Vorfächern gibt es noch die “unnormalen”, die bei der Verwendung von Sinkschnüren/Sinktips und schweren/schwersten Fliegen zum Einsatz kommen, diese sind meist nur 2´- 4´ lang und somit eher Tippets. Ist die mit der Sinkschnur gefischte Fliege hingegen leicht, kann man wiederum über längere Vorfächer nachdenken…...

 

Polyleader
 

Ein Poly-Leader besteht aus einem (ungetaperten) Nylonstück mit einer (getaperten) Ummantelung aus einem Polymer aus PU (AIRFLO, LTS, VISION) oder PVC (RIO, ZPEY, GAELFORCE). Polys gibt es von 4´ bis 15´- und von leicht bis ziemlich schwer, bei manchen Sinkern besteht (abgesehen von der Seele) kaum noch ein Unterschied zu den Sinktips. Das heißt dann aber auch, dass manche Polys nicht für dünn auslaufende Scandi-Köpfe, sondern für dick auslaufende Skagit-Köpfe gedacht sind!! An den Polyleader selbst schließt sich dann das Tippet an, welches regelmäßig usw. usw. Bei manchen Polyleadern (z.B. Salmon Extra Strong mit 0,52 mm Seele) kann man aus Gründen der Harmonie noch ein kurzes Zwischenstück vor das Tippet schalten, was aber nur dann Sinn macht, wenn das Tippet deutlich dünner sein soll (unter 0,35 mm).

 

 

Tips / Sinktips

Tips haben eine geflochtene Seele (von den Clear Intermediate mal abgesehen) und sind in Abhängigkeit von der Sinkrate manchmal mehr (Floater) und manchmal überhaupt nicht (T18) getapert.

Ein 14´ Clear Intermediate Tip wiegt ca. 7 g, ein 13´ CCT aus T18 schafft lockere 15 g. Sinktips werden mit kurzen Vorfächern (Tippets) gefischt, bei Floatern / Clear Intermediates kann man längere Vorfächer, ggf. sogar in Kombination mit einem 4´ Poly nachdenken.

 

Was passt zu welchem Kopf?
 


Schussköpfe - insbesondere schwimmende - unterscheiden sich interessanterweise nicht nur in der Farbe, sie geben auch in unterschiedlicher Weise “Energie” an das angeknüpfte oder eingeschlaufte Vorfach, Polyleader oder Sinktip weiter. Um es kurz zu machen: Je dicker die Spitze des Schusskopfes ist, desto mehr “Energie” kann er weitergeben - und die Unterschiede sind gewaltig:


 

Scandi Shooting Heads +/- 600 gr

AIRFLO RAGE XT500 Float
AIRFLO RAGE COMPACT Hover / Intermediate
AIRFLO RAGE COMPACT Hover
AIRFLO RAGE COMPACT Float
ZPEY FUSION II COMPACT Float
LTS X1 Float
MACKENZIE DTX G2 Float
VISION ACE CARROT Float
VISION ACE CLEAR Float
LOOP GDC Float
RIO AFS Float
GAELFORCE EQUALIZER Float
RIO SCANDI Float

(von oben nach unten)

 

 

 

 

Ein RIO AFS mit einem Sinktip von 15 g ist also eine ebenso unglückliche Kombination wie ein Skagit Compact mit einem niedlichen 15´ Vorfach von 1,7 g - es passt einfach nicht !! Aber wie immer im Leben gilt: Jeder ist seines eignen Glückes Schmied !!

 

Ich fisch im übrigen fast ausschließlich mit 10´- 14´ Polyleadern auf Lachs, weil ich häufig mit "ganz kurzer Leine” anfange, der SK also zum größten Teil noch auf der Rolle ist. Das geht dann wirklich nur mit einem Poly...

 

 


Ein Beispiel für Hechtfischer:



Typischer Hechtschusskopf von 8 m / 22 g in clear intermediate

1,20 m / 45er Mono (oben)
4´ AIRFLO Pike Polyleader (unten)

 

Ich würd die Variante mit dem Poly wählen, gerade bei größeren Streamern. Auch diese werfen sich damit nicht unbedingt elegant, aber es "schlackert" weniger als bei meinem Nebenmann...

 

 

 

RIO Scandi Short 35 g
T18 / T14 / T10 / T7 / AIRFLO ESFS Salmon Poly

Hier bitte T7 oder T14...

 

 

 

 

 

 

Skagit Shooting Heads +/- 600 gr

 

AIRFLO Skagit CAT18 + T18
AIRFLO Skagit Compact G2 + T18
RIO Skagit MAX Short + T14
AIRFLO Skagit Compact + T14
VISION Skagit ACE + T14
GAELFORCE PATRIOT + T10
RIO Skagit MAX Regular + T10
RIO Skagit MAX Long + T7

(von oben)

 

 

 

 

T18 passt nicht zu allen Skagit-Köpfen, bei 2,2 mm Tip ist die Grenze erreicht !

 

 

 

 

 

 

 


Muss ich das Gewicht der Polyleader eigentlich zum Gewicht des Schusskopfes addieren?

Ein Jurist würde darauf antworten: Kommt darauf an!!

 

  • Beim Überkopfwurf: Ja
  • Bei den Wasserwürfen: Jain!

 


So ganz stimmt das mit dem Überkopfwurf natürlich auch nicht, weil mit der Verlängerung des aktiven, von mir beschleunigten Teils (Schusskopf + Polyleader anstatt nur Schusskopf) eine Erhöhung des Luftwiderstands einhergeht, die dann wiederum nur zum Teil von dem höheren "Gewicht" ..... das führt jedoch eindeutig zu weit, da werden ganze Bücher drüber geschrieben, die ich im Zweifel auch nicht verstehe. Für die Praxis: Das "Gewicht" (Masse) des Polyleaders zählt dazu - und wenn es vielleicht nur 90% sind, macht das keinen Unterschied! 


Wie sieht es bei den Wasserwürfen aus? 

Auf den ersten Blick doch genauso einfach: Ich fische mit meinem Schusskopf in 9 m Länge (26 g) und einem 10´ Polyleader (4 g) und werfe wie der junge Henrik M. zu seinen besten Tagen - Wurf auf Wurf platziere ich den Übergang zwischen Schusskopf und Polyleader am immer gleichen Punkt neben mir, elegant und mit einer engen Schlaufe schick ich die Fliege auf ihre Reise. 
Weil mich der Teufel reitet, tausch ich nun den Poly gegen ein wunderschön getaperten Salmon-Mono-Leader aus - und stelle mit Erschrecken fest, dass die ganze Herrlichkeit dahin ist, irgendwie der Zug zum Tor fehlt, obwohl ich exakt genauso werfe wie vorher. Zuhause pack ich dann den Übeltäter auf die Waage und stelle fest, dass der Schweinehund ja nur 2 g wiegt. Damit steht fest, dass das Gewicht des Polyleaders mitgerechnet werden muss, mit 2 g mehr (=4 g) wär mir das nicht passiert, oder? 

Kurze Gegenfrage: Kann jemand Magnetismus erklären? Ich kann´s nicht und auch zur Fliehkraft, der Adhäsionskraft, der Schwerkraft, der Reibungskraft, der Zugkraft und und und fällt mir herzlich wenig ein. Sicher bin ich mir nur in 2 Dingen: 
1. Mit der magnetischen Kraft hat das Werfen nichts zu tun! 
2. Die Gesetze der Schwerkraft (Gewicht des Schusskopfes + Gewicht des Polyleaders) können nicht alles erklären! 

Ein Beispiel: 
Ich steh mit dem Gesicht stromab und werfe wieder wie der junge-ihr-wißt-schon - ohne Richtungsänderung (single spey, switch cast etc.), ganz entspannt 9 m Kopf, 10´Poly, Gesamtgewicht 30 g, der Anker ist an der immer gleichen Stelle neben mir, perfekt!! 

Ohne am Gesamtgewicht was zu ändern, platziere ich nun den Anker 3 m weiter vor mir, muss ja eigentlich genauso funktionieren, schließlich ist ja das Gewicht unverändert, oder? Tut´s aber nicht, tut´s eigentlich überhaupt nicht, sieht eigentlich eher wie ein erbärmlicher Rollwurf aus!! Kann doch nicht sein, ich versuch doch weiterhin, die ganzen 30 g in Bewegung zu versetzen, wenn ich oben dran zerre, muss das doch Auswirkungen auf das ganze Setup haben!! 

Die Antwort lautet: Nur auf den ersten Blick! 

Tatsächlich läßt sich das System im Moment des Vorschwungs in drei variable (!!!!) Teile zerlegen, die ich als Laie so beschreibe: 

1. Der Anker (versteht man am einfachsten): 
Ich kann wenig oder viel wässern, ich kann einen PL oder ein Mono nehmen, hier wirken Adhäsions- und Reibungskräfte auf das System, das Wasser hält das Vorfach etc fest 

2. Der passive Teil (schwer zu verstehen ohne den aktiven Teil zu kennen): 
Der Teil des Schusskopfes zwischen Poly und dem aktiven Teil des Kopfes, der, würde ich das Ganze als "D" oder besser auf der Seite liegendes "V" beschreiben, von der Wasseroberfläche aufsteigend von mir weg bis zur Spitze des "V" nach hinten weist. Welche Kräfte hier wirken? Keine Ahnung! 

3. Der aktive Teil: 
Der Teil des Schusskopfes, der von der Rutenspitze von mir weg absteigt, also der obere Teil des liegenden "V". Die Masse, die sich in diesem Teil befindet, wird von mir "primär" beschleunigt (und zieht dann den Rest gegen des Wasserwiderstand mit). 

Diesen aktiven Teil kann ich variieren, platziere ich das Vorfach einige Meter weiter vorne (s.o), ist der aktive Teil deutlich kürzer, es ist kein gleichförmiges "D" oder "V" sondern ein "V" mit einem ganz kurzen Oberteil und einem gaaanz langen Unterteil. Und weil die Masse im aktiven Teil deutlich geringer ist, krepiert mir auch der Wurf... 

Ich kann natürlich auch das Vorfach weiter hinten platzieren: Nun ist die Masse im aktiven Teil größer und ich kann mit weniger "Kraft" (ist wohl eher Beschleunigung/Geschwindigkeit..) werfen. Und wenn ich mir angewöhne, dass Poly in diesem Jahr immer 2 m weiter hinten als "normal" zu platzieren, reicht mir eventuell auch ein Schusskopf von 24 g aus (und wenn ich dann wieder umstelle, ist der Schusskopf plötzlich zu leicht...). 

Und was hat der ganze Unsinn nun mit der Ausgangsfrage zu tun? 
Nun, nach meiner unmaßgeblichen Meinung dient das Poly / Leader "nur" als Anker, seine Aufgabe besteht darin, Adhäsionskräfte zu erzeugen, nichts weiter. Um diese Aufgabe erfüllen zu können, muss es natürlich ein gewisses Gewicht haben, wäre es schwerelos, würde es ja gar nicht die Wasseroberfläche erreichen!! Aber es kommt eben nicht so sehr darauf an, ob es nun 2 g, 4 g oder sonst was auf die Waage bringt, maßgebend ist die Adhäsionskraft, nicht die Gewichtskraft! 

Hinzu kommt, dass ich durch die Veränderung der aktiven Teils um ein Vielfaches mehr an Einfluss auf die zu beschleunigende Masse nehmen kann (50 cm vor, 1 m zurück etc), so dass die 2 g mehr oder weniger vom Poly oder nicht Poly überhaupt nicht ins sprichwörtliche "Gewicht" fallen. 

Und wer jetzt denkt, ich hätte ein super Eigentor geschossen, weil doch im Ausgangsfall das Mono "nur" 2 g weniger wiegt und es doch darauf überhaupt nicht ankommen soll: 

Polyleader generieren höhere Adhäsionskräfte.... 
Warum? Keine Ahnung! Um ein 10´Poly zu ersetzen müsste man schon ein 14´ Mono nehmen, dann passt es wieder mit der Adhäsions- und Reibungskraft...

 

 

 

Die LÄNGE des Schusskopfes

Ein Schusskopf fliegt nicht von alleine, er ist in gleicher Weise an die Gesetze der Physik gebunden wie alle anderen Fliegenschnüre. Für die Länge des Schusskopfes bedeutet dies in der Theorie (auf die denkbar einfachste Formel gebracht):

Je länger der Kopf, desto weiter der Wurf!

Ein Wurf kann nur so weit gehen, wie die durch den Vorwurf beschleunigte und durch die Runningline eingebremste Schnur sich während ihrer Vorwärtsbewegung - also nach dem Schießenlassen - in der Luft abrollt. Lass ich zwei vom Gewicht her identische, jedoch unterschiedlich lange Schussköpfe mit der selben Geschwindigkeit und der selben Runningline schießen, ist bei dem längeren Kopf die "abrollbare" Strecke während der Flugphase größer, die Flugphase kann somit länger andauern - und der Wurf weiter gehen.

Aber: Irgendwann ist natürlich auch mit der Länge des Schusskopfes Schluss, weil die Gesetze der Schwerkraft einen zu langen Schusskopf auf die Erde zurückbringen, man ihn also nicht in der Luft halten kann, von Seitenwind etc. mal ganz zu schweigen.... Um es zu betonen: Das war die Theorie!

 

 

 

Überkopf-Wurf / Surf Cast

Hier findet sich eine Massedarstellung verschiedener Köpfe für die Küstenfischerei: SURF COAST

Und hier eine für die Hechtfischer: SURF PIKE

 

Grundsätzlich ist zunächst mal nach "unten" alles und nach "oben" vieles möglich - ich kann also z.B. einen 3 m langen Kopf mit jeder beliebigen Rute "werfen", während ich bei einem 20 m langen Kopf eher eine 17´ - Zweihandrute gebrauchen könnte...

Was ich damit andeuten will, ist der Umstand, dass auch beim Überkopfwurf ein gewisses Verhältnis zwischen Ruten- und Schusskopflänge bestehen sollte, nur ist dieses Fenster halt wesentlich größer als bei den weiter unten beschriebenen Wasserwürfen. Bevor jetzt jemand nach einem Blick in die Tabelle schreit, dass er für´s Hechtfischen mit 6 m Köpfen wunderbar hinkommt (kenn ich welche) und an der Küste erfolgreich mit 13 m Köpfen fischt (kenn ich auch einen), kann ich nur feststellen, dass nichts verboten und jeder seines eigenen Glückes Schmied ist!!

Das Gewicht der Polyleader (Vorfach kann man gewichtstechnisch vernachlässigen) ist beim Überkopfwurf zu beachten - manche Sinker bringen 8 g auf die Waage!

 

Rutenlänge

kurzer Schusskopf

mittlerer Schusskopf

langer Schusskopf

       
8,2 m 9,6 m 11 m
9´6" 8,5 m 10 m 11,4 m
10´ 8,9 m 10,4 m 11,9 m
10´6" 9,1 m 10,7 m 12,3 m
11´ 9,4 m 11 m 12,7 m
11´6" 9,6 m 11,4 m 13,1 m
12´ 9,8 m 11,7 m 13,5 m
12´6" 10 m 12 m 13,9 m
13´ 10,3 m 12,3m 14,2 m
13´6" 10,3 m 12,3 m 14,4 m
14´ 10,3 m 12,4 m 14,9 m
15´ 10,5 m 12,8 m 15 m
16´ 10,7 m 13,2 m 15,6 m
17´ 10,9 m 13,4 m 16 m




Spey Cast in seinen verschiedenen Varianten

 


Skagit Style  
 

 

Hier findet sich eine Massedarstellung verschiedener Skagit-Köpfe:   SKAGIT 

 

Beim Skagit - Cast handelt es sich um die amerikanisch / kanadische Variante des Traditional Spey Cast, also alle bekannten Wasserwürfe, jedoch mit einem "richtigen" Anker ausgeführt.

Einen "richtigen" Anker erreicht man dadurch, dass der Wurf (im Vergleich zum underhand cast) wesentlich langsamer ausgeführt wird, man gibt dem Sinktip also Zeit, nicht nur kurz die Wasseroberfläche zu berühren (touch & go), sondern zumindest etwas abzusinken. Hierdurch erhält man höhere "Gegenkräfte", die den Vorschwung zumindest insoweit effektiver machen, als dass sich die Fliege nicht oder nur minimal in Richtung des Werfers bewegt. Um diese "Gegenkräfte" zu überwinden, brauch ich dann aber auch eine ordentliche Masse, was das höhere Gewicht der Skagit-Köpfe und ihr "brutales" Taper erklärt...

Im Grunde kann man sich auf 2 Würfe beschränken, den Circle Spey (alternativ Snap-T) und den Double Spey. Wer beide Würfe auch noch über die jeweils falsche Schulter (bei mir als Rechtshänder die linke!) beherrscht, kann nicht nur auf beiden Flussseiten fischen (sehr schön), sondern insbesondere auch vermeiden, dass der Wind die Fliege im Vorschwung gegen den Kopf knallt (viel wichtiger!!). Das Gewicht der (Sink-)Tips spielt keine Rolle für die Frage des Schusskopfgewichtes, da es den Anker / den unteren Teil des "D" bildet und beim Vorschwung nicht unmittelbar mitbeschleunigt wird.

 

Das maximale Gewicht des Sinktips sollte 50% des Schusskopfes nicht übersteigen, das optimale Gewicht hängt von der Größe des Streamers ab. Das Gewicht ist in Grain per Foot angegeben, eine Umrechnungstabelle gibts auch:

Rutenlänge / Sinktip-Klasse

T7

T10 T15 T18 
         
4,1 g 5,8 g 8,7 g 10,8 g
10´ 4,5 g 6,5 g 9,7 g 12,0 g
11´ 5,0 g 7,1 g 10,7 g 13,2 g
12´ 5,4 g 7,8 g 11,7 g 14,4 g
13´ 5,9 g 8,4 g 12,7 g 15,6 g
14´ 6,4 g 9,1 g 13,7 g 16,8 g
15´ 6,8 g 9,7 g 14,7 g 18,0 g
16´ 7,3 g 10,4 g 15,7 g 19,2 g
17´ 7,7 g 11,0 g 17,7 g 20,4

Als Anfänger kommt man übrigens (welch Überraschung !) mit einem in Relation zum Schusskopf deutlich leichteren Sinktip besser zurecht...

 

 

Neben den - ungetaperten - Sinktips von T7 bis T18 kann man natürlich auch getaperte Tips in floating bis Sink 7 verwenden:
Sinn (in Form einer saubereren Präsentation) macht das vornehmlich dann, wenn es sich um "normal-große" Streamer etc. handelt, bei halben Hühnern kann man sich das sparen.

 

 

 

Scandi Style
 

Hier findet sich eine Massedarstellung der verschiedenen Scandi-Köpfe:  SCANDI

 

 

 
 
Rutenlänge

Floating

Sink 1 -
Sink 1,5
Sink 2 -
Sink 4
Sink 5 -
Sink 7
         
7,7 m - 8,2 m 7,1 m - 7,4 m 6,9 m - 7,1 m 6,9 m - 7 m
9´6" 8,1 m - 8,7 m 7,5 m - 7,8 m 7,3 m - 7,5 m 7,1 m - 7,3 m
10´ 8,3 m - 8,9 m 7,9 m - 8,2 m 7,6 m - 7,9 m 7,3 m - 7,6 m
10´6" 8,6 m - 9,2 m 8,3 m - 8,6 m 8 m - 8,3 m 7,7 m - 8 m
11´ 8,9 m - 9,4 m 8,7 m - 9 m 8,4 m - 8,7 m 7,9 m - 8,4 m
11´6" 9,1 m - 9,8 m 9,1 m - 9,5 m 8,8 m - 9,1 m 8,4 m - 8,8 m
12´ 9,5 m - 10,3 m 9,5 m - 9,9 m 9,1 m - 9,5 m 8,8 m - 9,1 m
12´6" 9,8 m - 10,5 m 9,5 m - 9,9 m 9,1 m - 9,5 m 8,8 m - 9,1 m
13´ 10,3 m - 10,7 m 9,5 m - 9,9 m 9,1 m - 9,5 m 8,8 m - 9,1 m
13´6" 10,7 m - 11,1 m 9,9 m - 10,3 m 9,5 m - 9,9 m 9 m - 9,5 m
14´ 10,9 m - 11,5 m 10,3 m - 10,7 m 9,8 m - 10,3 m 9,4 m - 9,8 m
15´ 11,1 m - 11,6 m 10,5 m - 11 m 10 m - 10,5 m 9,6 m - 10 m
16´ 11,7 m - 12 m 10,7 m - 11,2 m 10,3 m - 10,7 m 9,9 m - 10,3 m
17´ 11,9 m - 12,2 m 10,9 m - 11,4 m 10,4 m -10,9 m 10m - 10,4 m


 

 

Modern Spey Cast

 

Eine weitere Variante des Unterhandwurfs, wie er zum Beispiel von den Syrstad - Brüdern praktiziert wird.
Die Länge der Schussköpfe entspricht dem dreifachen der Rutenlänge, bei einer 13´ Rute also 11,90 m und bei einer 15´ Rute ca. 13,80 m.


 


Scottish Spey Cast - Tay & Tummel Style

Die alten Schotten nehmen noch mal längere Köpfe - dort beträgt das Verhältnis von Schusskopf / Rute dann ca. 4:1. Gefischt wird gerne mit Ruten von 16´- 17´ - und dann sind die Köpfe halt auch mal 22 m lang. Eine Tabelle schenk ich mir hier mal...

 

 

 

 

 

 

Die RUNNING - und SHOOTING LINES

 

Die Schusskopffischerei gibt es seit über 50 Jahren. Es hat sich im Laufe der Zeit eingebürgert, als Shooting Lines monofile Schnüre und als Running Lines Schnüre mit einem geflochtenen  Kern zu bezeichnen, gemeint ist jedenfalls immer das sich an den Schusskopf anschließende Stück Schnur.... Diese gibt es als Monofil-Schnur in ovaler Form (FLAT BEAM), rund (AMNESIA ), schwimmend (VARIVAS AIRS), als Monofilschnur mit einem Coating (POLYSHOOT), als schwimmende Geflechtschnur (MIRACLE BRAID) oder als Schnur mit einem Coating wie bei Fliegenschnüren, da dann wieder mit einem normalen geflochtenen Kern oder mit Power Core - Seele.

 

Welches ist die Beste? Nun, das kommt darauf an, was ich will - und was die Schnüre können. Das Anforderungsprofil an eine Running Line hat es jedenfalls in sich: Eine Running Line sollte einerseits möglichst wenig Reibungswiderstand bieten. Dieser Widerstand darf aber andererseits aber auch nicht zu gering ( "0" ) sein, wie es beispielsweise beim Spinnfischen wünschenswert wäre: Wie schleudern ja nicht den Schusskopf wie einen Speer Richtung Horizont, sondern lassen ihn sich in der Luft abrollen. Wird er hierbei nicht in der erforderlichen Weise "eingebremst", rollt er nicht ab....und das Vorfach schon gar nicht. Schließlich muss die Running Line natürlich auch über die entsprechende Tragkraft verfügen, sollte nicht (dauerhaft) geknickt sein, nicht wie ein Stein absinken, die extremen mechanischen Belastungen beim Wurf abkönnen, bezahlbar sein, nicht in die Finger schneiden, sich knoten oder spleißen lassen und und und.....

 

 

 

 

 

Zum Schluss einige Hinweise:

 

1. Man verbindet das Belly (das dicke Ende des Schusskopfes) und die Runningline miteinander!

2. Alle neuen Schnüre sollte man für einige wenige Sekunden in einen Topf mit sehr heißem Wasser (65° C) geben, damit sie ihre Spannung und das lagerungs- und transportbedingte Memory verlieren und sich dann beim Fischen besser strecken.

3. Schlaufenverbindungen (Loop-to-Loop-Connections) sind eigentlich nicht schwierig, trotzdem....